Unter Null - Das Berber-Info nicht nur für Obdachlose - Wo und Wie
Günter Wallraff UNTER NULL 2009
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UNTER NULL Berber-Infos für Deutschland
Den Armen ihre Würde wiedergeben
Fragen Antworten Statistiken

Frage: Wie viele Gäste haben meine Portale laut Besucherzähler im Jahr 2010 besucht?

kurpfaelzer-wandersmann

Die Startseite wurde aufgerufen in der Zeit vom 01.01.2010 bis 31.07.2010 insgesamt 7161. Gezählt wurden hier nur die IP-Nummern mit dem einmal täglichen Besuch. Am häufigsten nach der Startseite wurde die Seite LEBENSWEG aufgerufen.

ohnewohnung-wasnun

Die Startseite wurde aufgerufen in der Zeit vom 01.01.2010 bis 31.07.2010 insgesamt 21488. Gezählt wurden hier nur die IP-Nummern mit dem einmal täglichen Besuch. Am häufigsten nach der Startseite wurden die Seiten WO UND WIE aufgerufen.

Die täglichen Doppelt- und Mehrfachaufrufe mit identisch übereinstimmenden IP-Nummern werden von mir in einer eigenen Besucherliste geführt, in die ich nur die IP-Nummern aufnehme die an einem Tag "mindestens zweimal" die Startseite aufgerufen haben. Für ohnewohnung-wasnun wurden so im Zeitraum von 01.01.2010 bis 31.07.2010 insgesamt 85932 Doppelt- und Mehrfachaufrufe gezählt. Für kurpfaelzer-wandersmann hingegen liegen die Zahlen deutlich darunter.   

Die besten Besuchermonate im Jahr 2010 waren der Januar und der Februar und die schwächsten Besuchermonate der Juni und (mein Geburtstagsmonat) Juli.

Gästebuch

Weiterhin niedrig sind die Besucheraufrufe auf meinem Gästebuch und noch zurückhaltender auf meinen BLOGS.

Berber-Info-TV (hebro44)

Dagegen steigen die Besucherzahlen auf meinem youtube-Kanal seit 08.10.2009 stetig an. Bis zum 31.07.2010 wurden 16 000 Zugriffe gezählt. Veröffentlicht habe ich dort zur Zeit in Eigeninitiative erstellte 9 Videos mit privaten Bildern aus meinem Alltag und meinen Aktivitäten für Sozial ausgegrenzten und Sozial benachteiligten Menschen in Deutschland aus den Jahren 2009/10.

Frage: Wer bin ich? Wie und wo lebe ich?

Infos über mich finden Sie ausführlich auf meiner privaten Webseite Kurpfälzer Wandersmann.     

Frage: Warum mache ich diese Homepage?

Als ich im Frühjahr 2005 im Internet eine Seite suchte, die mir als Hilfesuchender Adressen vermitteln sollte? Fand ich im Internet nur das grosse Gähnen! Internetseiten mit Fachdeutsch für Fachkundige. Wortakrobatik für Rechtsverdreher. Schön-Wetter-Reden von Möchte-Gern-Profis und na klar, jede Menge Seiten mit diversen Spendenaufrufen. Aber eine Seite die mir half, fand ich nicht!

Aus der Verzweiflung heraus begann ich dann in Kassel im Herbst 2005 selbst eine Homepage für Obdachlose zu entwickeln. Ich eröffnete zuerst bei einem kostenlosen Anbieter (beebworld.de) eine Homepage, wo ich beim Erstellen von Internetseiten mir Wissen beim Gestalten aneignete. Weitere praktische Unterstützung fand ich dann beim Chaos-Computer-Club in Berlin.

Im Mai 2007 entschloß ich mich dann in Melle eine kostenpflichtige Homepage bei Web.de zu eröffnen, wo ich mit dem Baukastenprinzip arbeite. Ziel war eine proffessionelle Arbeit bieten zu können und na klar, mein Wissen noch umfangreicher an die Öffentlichkeit zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt im Frühjahr und Sommer 2007 gab es immer noch keine Internetseite für Obdachlose!

Frage: Sind Obdachlose alle Alkoholiker?

Nein, es gibt viele Obdachlose die bewusst Alkohol meiden oder trocken sind. Alkoholismus ist ein ernsthaftes Problem der Gesellschaft im Ganzen und zeigt sich bei Obdachlosen nur deshalb so deutlich, weil Obdachlose kein Zuhause haben, wo sie versteckt trinken können.

Frage: Sind Obdachlose alle Drogenabhängig?

Nein, es gibt unter den Obdachlosen leider mehr Alkoholiker. Trotzdem ist Drogenabhängigkeit gerade bei jüngeren Obdachlosen unter 30 Jahren vermehrt feststellbar. Für viele Junkies sind Drogen auch Mittel zum schleichenden Suizid. Eine Überdosis Heroin oder Komasaufen ist nichts anderes als der letzte Versuch nach Hilfe zu rufen.

Frage: Sind Obdachlose alle Arbeitsscheu?

Nein, viele Obdachlose arbeiten für 1 Euro als Erntehelfer oder gehen anderen Gelegenheits- und Saisonarbeiten nach. Es gibt Obdachlose die keine Leistungen beziehen und auf diese Arbeiten sogar angewiesen sind. Leider gibt es aber auch die Gegenstücke! Trotzdem ist die Zahl der Arbeitswilligen Obdachlosen höher, als die Arbeitsunwilligen. Kein Obdachloser verdient seine Brötchen mit Schwarzarbeit oder sonstigen Steuerhinterziehungen.

Frage: Sind Obdachlose alle Verwahrlost?

Nein, auch unter den Obdachlosen gibt es wie in allen Kreisen solche und solche. Nur haben Obdachlose nicht in jeder Stadt die Gelegenheit sich Duschen oder ihre Wäsche reinigen zu können, denn nicht überall ist für Obdachlose diesbezüglich gesorgt.

Frage: Sind Obdachlose alle Selbstverschuldet?

Nein, denn Obdachlosigkeit kann heute jeden treffen. Es gibt Obdachlose die durch Insolvenzen Haus und Hof verloren, andere durch Scheidungen ihr Besitz abgeben mussten, andere durch Bankverbindlichkeiten in den Ruin getrieben wurden, andere durch übergeordneten Lebensprüfungen aus der Bahn liefen. Andere wuchsen in Heimen auf, kennen kein intaktes Familienleben, andere hingegen wuchsen in dissozialen Verhältnissen auf oder wie ich abgeschoben in Kinder- und Jugendheimen oder hin- und hergereicht zwischen Elternhaus und Pflegeeltern.

Nicht jeder ist ganz unschuldig am eigenen Obdachlosendasein! Doch wer ist schon ganz frei von Unschuld?
Kein Obdachloser trägt am Schicksal die alleinige Verantwortung. Für viele Obdachlose ist das Leben auf der Strasse die Loslösung von Problemen. Oft auch der letzte Ausweg!

Meine persönlichen Einsichten und Erfahrungen als Langzeitobdachloser und Berber.

Leben auf der Strasse - Einblicke hinter die Kulissen einer versteckten Gesellschaft.

Krankheiten und andere Verhaltensauffälligkeiten:

Viele Obdachlose leiden an Krankheiten die eine Reintegration in das Bürgerliches Leben erschweren. Die häufigsten Erkrankungen sind psychischer Art wie Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Neurosen, Psychosen. Niedrige oder teilweise nur wenig vorhandene Schulbildung erschwert zusätzlich die Integration in ein Bürgerliches Leben. Ein Gesellschaftstaugliches Sozialverhalten ist teilweise nicht oder nur wenig vorhanden oder erkennbar. Im kommen sind Infektionskrankheiten wie die TBC oder die Kretze - Aufgrund mangelnder Hygiene in Notunterkünften und der persönlichen Vernachläsigung. Im Suchtbereich sind es Alkoholismus, Drogenkonsum und Spielsucht. Viele haben Schulden in mehrstelliger Höhe. Scheidungen oder tragische Verkettungen sind nicht selten. Personen mit Langzeitinhaftierungen oder mehrjährigen Aufenthalten in Psychiatrien sind anzutreffen. Abgesehen von Aufenthalten in Kinder- und Jugendheimen oder desolaten Familiären Verhältnissen. Einhergehend sind oft frühe Erfahrungen mit Misbräuchen jeder Art, auch Gewalt und kaum spürbare Erziehung. 

Ein praktisches Beispiel: Wenn ich als ein Heranwachsender junger Mensch ständig zu hören bekomme, das ich einmal die Zeche für die Alten bezahlen muss, entwickel ich langsam aber unaufhörlich eine innere Abneigung bis hin zum Zorn und Hass gegenüber allem was mir alt erscheint. "Warum soll ich deren Zeche bezahlen?" Die Folgen sind auffallend häufig Überreaktionen wie Gewalttaten oder Übergriffe gegen alles was den Jungen als Alt erscheint! Die Opfer sind die vermeintlich Schwachen - die Alten und Wehrlosen Menschen - unserer, dieser Moral- und Ethikverlorenen Gesellschaft.

Mit der Obdachlosigkeit verlieren viele Betroffene nicht nur den Heimatbezogenen Bezugspunkt, sondern auch noch jede Form von festen Sozialen Bindungen. Das Bürgerliche Leben schwindet in die Abwärtsspirale der Gesellschaftlichen Entfremdung bis hin zum schleichenden Suizid. Geordnete Lebenszüge einer Bürgerlichen Existenz zerfallen und werden später kaum noch wahrgenommen. Psychosomatische Krankheitsverläufe sind beim beim Verlust der Bürgerlichen Existenz nicht selten.

Als Fazit betrachtet - ist Obdachlosigkeit für viele Betroffene der letzte Ausweg aus einer verzweifelten Existenznotlage mit der Begleiterscheinung von Vereinsamung und Ausgegrenztsein. Viele werden durch die gesellschaftliche Isolation - als ein Obdachloser gebranntmarkt zusein - erst richtig zum Sozialen Problemfall. Nur wenige Betroffene haben nach vielen Jahren der Obdachlosigkeit noch die Kraft, das persönliche Blatt zu wenden und sich ausserhalb des mittlerweile gewohnten Strassenmilieus, eine neue Bürgerliche Existenz aufzubauen. Für die meisten aber gilt die traurige Gewissheit - Obdachlosigkeit ist Endstation.   

Ein Berber-Sprichwort sagt: "Wer einmal auf der Strasse ist - bleibt meist immer dort."

Es gibt unter den Obdachlosen zwei übergeordnete Gruppen.

Es gibt zwei Gruppen von Obdachlosen. Die Sichtbaren und die Unsichtbaren! Was meine ich? Die Sichtbaren sehen Sie. Es sind Menschen die sich aufgegeben haben und ihr Leid offensichtlich ist. Menschen die Hoffnung und Zuversicht verloren haben, deren äusseres Erscheinungsbild unwichtig geworden ist! Die Unsichtbaren sind die Obdachlosen die es äusserlich vermeiden, als Obdachlose erkannt zu werden. Hauptgrund ist unter anderem Angst gedemütigt zu werden! Aber auch das letztes Hab und Gut ihre Würde, nicht auch noch zu verlieren.

Armut die im Tod einzelner meist noch jungen Menschen mündete. Entweder durch Krankheit oder Suizid. Alkohol. Drogen. Gewalt.

Es gibt Zwei Teile von täglichen Gefahren im Wohnungslosenmilieu. Der eine Teil steht darüber und der andere Teil ist: Scham. Trauer. Hoffnungslosigkeit. Dazwischen existieren Angst, Lug und Trug inmitten von Verzweiflung und Sehnsucht.

Wer ist von Obdachlosigkeit besonders gefährdet?

Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Berber sind von Obdachlosigkeit besonders auffällig oft betroffen folgende, von mir festgelegten Drei Personengruppen:

A. Junge Menschen bis Mitte Zwanzig mit mehrjährigen Erfahrungen in Kinder- und Jugendheimen oder aus mehrfach verwurzelten disozialen Familienverhältnissen. Nicht selten sind dabei die Grenzen von Missbrauch und Gewalt miteinander verbunden. Alkoholismus, Drogen und sexuelle Nötigungen fliessen dabei nicht selten ineinander. Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressionen, Ängstlichkeiten oder das Lügen sind dabei zunehmend. 

B. Menschen mittleren Alters aus fast allen Gesellschafts- und Berufsschichten. Die Hauptgründe hierfür sind meistens: Scheidungen, Schulden, Insolvenzen, tragische Verkettungen von Schicksalschlägen, bis hin zu langjährigen Aufenthalten in Justizvollzugsanstalten oder Sanatorien. Häufig sind zu beobachten auch Erkrankungen psychischer Art als Auslöser von schweren aussergewöhnlichen Erlebnissen. Aber auch Suchterkrankungen wie Alkoholismus oder Spielsucht sind vielfach verbreitet.

C. Ältere Menschen die in ihrem Leben oft viel hatten und am Ende doch alles verloren. Vereinsamungen und Hoffnungslosigkeit sind neben den bereits bekannten Bildern oft der Grund mit dem alten Leben zubrechen. Nach dem Motto: Lieber in einer Notübernachtung oder einem Wohnheim sterben und relativ schnell begraben zu werden, als allein und verlassen tot in der eigenen Wohnung Wochen- und/oder Monatelang unbemerkt sein. Andere hingegen suchen in der Fremde das was sie zuhause nicht, oder nicht mehr hatten, Menschen zum reden und zuhören! 

Das offene Geheimnis "Legendenbildungen."

Das offene Geheimnis sind Legendenbildungen. Doch was sind Legendenbildungen?

Die meisten Obdachlosen haben sich zum Schutz ihrer wahren Identität eine neue Scheinidentität aufgebaut. Meist wurden dabei Teile der wahren Identität mit den Erlebnissen oder Erfahrungen anderer Menschen zu der neuen Scheinidentität verwoben und in eine nach Aussen Glaubhaft verpackten neuen Identität verknüpft. Die Legende ist geschaffen!

Aber warum, weshalb und wofür eine Legende? Die neue Lebensgeschichte dient den Betroffenen Fremden Menschen gegenüber ihr wahres Gesicht zubehalten und ihre Person vor möglichen Schaden zubewahren. Wer erzählt schon gerne offen einem Fremden die eigene Lebensgeschichte?

Die Prinzipien der Obdachlosenszene.

Grundsätzlich gelten auf der Strasse folgende und einfache Prinzipien. "Nicht gegenseitig oder untereinander sich bestehlen, belügen oder betrügen!" Wer dagegen verstösst wird gemieden oder sogar geächtet. Die Prinzipien dienen den Betroffenen das Leben auf der Strasse, die Existenz in der Obdachlosenszene, besser und leichter zukoordinieren. Eine wichtige Regel unter Obdachlosen ist: "Weisst Du etwas, was ich nicht weiss? Weiss ich etwas, was Du nicht weisst!" Oder auch gesagt; jeder hilft jedem so gut es geht und dennoch ist immer und überall Vorsicht und Zurückhaltung angeraten.

Die Berbersprache

Jede Gesellschaftsschicht hat ihre eigene typische Sprache und so auch wir Berber. Hier ein Paar Auszüge.

Der Schlafsack = Die Penntüte. Der Schlafplatz = Die Platte. Wohnheime und Herbergen = Die Hütten. Der Wanderkollege = Der Spannemann. Auf Reise = auf Rolle. Die Strasse = die Rue.

Das Obdachlosenportal wendet sich an alle Menschen in unserer Gesellschaft, die vom Bürgerlichen Leben ausgegrenzt sind und am Rand dieser Gesellschaft ihr Dasein fristen müssen.

 

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